Modellvorhaben Naturpark-Bahnhöfe
Der Begriff „Naturpark-Bahnhöfe“ entstand bei einer Regionaltagung der „Großen Koalition für den kleinen Bahnhof Dannenwalde“ im Jahr 1996. Mittlerweile werden auch andere Bahnhöfe so bezeichnet. Dahinter steckt die Idee, dass ein Naturpark eigentlich nicht mit dem Auto erreicht und durchquert werden sollte, sondern mit einem naturschonenden Verkehrsmittel. Und so kann jedes Großschutzgebiet nur zufrieden damit sein, wenn es noch über geeignete Bahnanschlüsse verfügt, denn gerade die Bahnlinien durch die dünn besiedelten Regionen wurden vor und nach der Jahrhundertwende in Brandenburg stillgelegt.
Die Brandenburger Landesanstalt für Großschutzgebiete sah dies ebenso und beauftragte 1999 das Planungsbüro Kommunal Data und den FUSS e.V. damit, ein Konzept für die Wege-Verknüpfungen zwischen den vier Naturpark-Bahnhöfen Fürstenberg, Templin, Zehdenick und Dannenwalde im Naturpark Uckermärkische Seen zu erstellen. Untersucht wurden die Wanderwege, Radwege, Wasserstrecken, Schiffsverbindungen, Reitwege, die Draisine, sowie die Bahn- und Busverbindungen, ob diese geeignet seien für eine Anreise zu einem der Bahnhöfe, eine Wanderung etc. und die Abreise von einem anderen Bahnhof.
Der Naturpark Uckermärkische Seen eignete sich für dieses Modellvorhaben hervorragend, weil er eine günstige Erschließung mit öffentlichen und vor allem vertakteten Verkehrsmitteln aufwies: An den zwei südlichen seiner drei Seiten wurde er von Bahnlinien tangiert und im Norden war er durch eine Stichstrecke aus Mecklenburg-Vorpommern erreichbar. Eine offenbar zu günstige Bedingung: Kurz danach wurde der Personenverkehr auf der Strecke von Templin-Stadt nach Prenzlau und auch auf der Stichstrecke nach Feldberg eingestellt. Protestiert haben lediglich wenige Personen und Gruppen vor Ort und der FUSS e.V. Durch den Wegfall von sieben Bahnhöfen hat die Attraktivität der Nutzung verschiedener touristisch interessanter Korridore mit Rad- und Wanderrouten im Norden des Naturparks für Tagestouren ab Berlin gelitten.
Der Bahnhof Dannenwalde hat von den vier verbliebenen für Fuß- und Rad-Aktivitäten geeigneten Naturparkbahnhöfen den Vorteil, dass er von Berlin aus mit der Bahn am schnellsten zu erreichen ist. Er ist sozusagen ein ideales Eingangstor für den Naturpark Uckermärkische Seen und genauso für den erst später eröffneten Naturpark Stechlin - Ruppiner Land. Hinzu kommt, dass nicht die zuerst nur für den östlich gelegenen Naturpark Uckermärkische Seen geplanten Fuß- und Radwege mit Bahnhofsanbindung, sondern weitere Wege in den westlich gelegenen Naturpark Stechlin-Ruppiner Land umgesetzt wurden. Siehe hierzu auch die Informationen unter Radler-Bahnhof und Wanderbahnhof. Nicht zustande kam dagegen bisher eine durchaus umsetzbare Schiffs-Verbindung zwischen den Bahnhöfen Dannenwalde und Zehdenick. Auch musste die Dannenwalder-Ruder-Draisine eingestellt werden und es erfolgte ein Draisinenbetrieb auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke zwischen Fürstenberg, Lychen und Templin, wo in den Jahren 2024/25 ebenfalls die Schienen herausgerissen wurden. Das zeigt, wie „Vorbehaltsstrecken“ der Eisenbahn letztlich stillschweigend abgebaut werden und welchen Stellenwert der nachhaltige Tourismus in der Region hat..
Insgesamt gibt es für Angebote der nachhaltigen Mobilität in den Naturparks durchaus noch Spielraum. Wenn Sie Ideen oder gar tatkräftige Unterstützung einbringen möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf.
Zum Schluss noch zwei Erklärungen von den Naturpark-Leitungen:
"Das gesamte Projekt ist auch aus meiner Sicht ein richtiger Schritt für eine menschen- und umweltgerechte Verkehrspolitik in der Region und findet meine uneingeschränkte Zustimmung. Das Modell der Verknüpfung der regionalen touristischen Angebote und die Nutzung der Bahnhöfe als Fremdenverkehrsinformationspunkte können zukunftsweisend für die Großschutzgebiete (wie unseren Naturpark), sowie das Wirtschaftsbestreben der Kreise Uckermark / Oberhavel sein und auch deutschlandweit Beachtung finden. Seien Sie versichert, dass die Naturparkverwaltung bei der Umsetzung dieses Vorhabens ein verlässlicher Partner sein wird."
Roland Resch, Leiter des Naturparks Uckermärkische Seen, in einem Schreiben vom 26.8.1997 an Herrn Wend, LASA Brandenburg
"Der Bahnhof Dannenwalde ist ein wichtiges Eingangstor für den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Dies gilt insbesondere nach der Eröffnung des Polzow- und des Stechlinsee-Radweges im Sommer dieses Jahres. Mit Inbetriebnahme des Nord-Süd-Tunnels wird man vom Zentrum Berlins zukünftig in etwa 40 Minuten mit der Bahn in Dannenwalde sein und von dort auf einem landschaftlich reizvollen Radweg Menz (11 Kilometer), den Stechlin (17 Kilometer) oder Rheinsberg (22 Kilometer) erreichen. Ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung des Bahnhofs Dannenwalde weiter steigt. Die Naturparkverwaltung wird sich für den Erhalt des Bahnhofs als Informations- und Haltepunkt sowie für den Ausbau des Wegenetzes rund um Dannenwalde einsetzen".
Dr. Mario Schrumpf, Leiter des Naturparks Stechlin - Ruppiner Land, 5.8.2004
Eine aktuellere Einschätzung:
Das Projekt hat sich impulsgebend ausgewirkt. Die Radwegeverbindungen wurden deutlich verbessert, weisen aber weiterhin leider auch noch Lücken aus. Das Wanderwege-System wurde teilweise umgesetzt und dann wieder in Abschnitten so vernachlässigt, dass es dort kaum begehbar ist. Das konzipierte Reitwegenetz und die Wasserverbindung wurden überhaupt nicht angegangen. Das Personal in den Naturparkverwaltungen wurde reduziert, so dass es seit vielen Jahren eigentlich keine wirkliche Zusammenarbeit in diesen Fragen mehr gibt. Siehe hierzu Mobilität und Infrastruktur.
Verwendete Quelle:
KOMMUNAL DATA, FUSS e.V.: Integrierte Bahnhofs- und Reisegebietsentwicklung im Naturpark Uckermärkische Seen, Teilprojekt: Wege und Verknüpfungen, im Auftrag der Landesanstalt für Großschutzgebiete, Dezember 1999
Ist nicht jeder Bahnhof ein Umweltbahnhof?
Der Vortrag wurde bei der Gründungsversammlung des Vereins Umweltbahnhof Dannenwalde UBD e.V. gehalten und beinhaltet auch die damaligen längerfristigen Zielvorstellungen:
Ist nicht jeder Bahnhof ein Umweltbahnhof, weil hier halbwegs umweltfreundlich ein Ort erreicht werden kann? Das Auto nimmt mittlerweile bei allen großen Umweltproblemen die traurige Spitzenposition ein. Auch auf die Region im Norden Brandenburgs bezogen, muss leider festgestellt werden:
- Ein immer größerer Teil der Waldschädigungen ist darauf zurückzuführen, daß zu viele Menschen möglichst jede Stelle des Waldes zu Erholungszwecken mit dem Auto erreichen wollen.
- Ein zunehmender Anteil an den Klimaschädigungen, am Ozon, an der Luftverschmutzung hängt damit zusammen, daß zu viele Menschen gerade zu Freizeit- und Erholungszwecken meinen, auf das Auto nicht verzichten zu können.
- Immer mehr Menschen leiden unter dem Lärm, den sie selbst oder andere erzeugen, um mal einen Moment der Ruhe zu genießen.
- Immer mehr Menschen leiden an verkehrsbedingten Krankheiten, werden bei Straßenverkehrsunfällen verletzt oder gar tot gefahren, damit ein Teil von ihnen möglichst schnell das Ziel erreicht, an dem sie etwas für ihre Gesundheit und das seelische Gleichgewicht tun wollen. Die generellen Probleme sind sicher den meisten bewusst, noch nicht so bekannt ist der hohe Anteil des Freizeitverkehrs daran, der mittlerweile in Deutschland etwa die Hälfte des gesamten Verkehrsaufkommens ausmacht. Am Verhalten ändert sich aber leider allein durch das Problembewusstsein recht wenig. Positives Verhalten für die Umwelt und für die Gesundheit der Menschen muss einübbar sein und es muss vor allem möglichst direkt und umgehend belohnt werden, z.B. durch eindeutigen Lustgewinn. Ist aber das Aussteigen an einem geschlossenen, dem Verfall ausgesetzten Bahnhof ohne Unterstellmöglichkeit bei Regen ein Lustgewinn?
© Bernd Herzog-Schlagk / UBD e.V. Was genau zeichnet nun einen Umweltbahnhof aus?
Der Begriff ist nur wenige Jahre alt und kann noch mit Leben gefüllt werden. Die bisherigen Definitionen des Umweltbahnhofes unterscheiden erst einmal grundsätzlich zwischen
1. der äußeren und
2. der inneren Verknüpfung.
Mit der äußeren Verknüpfung sind die Verkehrsbeziehungen gemeint, z.B. der Fahrplan der Bahn, aber auch die Frage der Verknüpfung mit anderen Verkehrsarten z.B. auch die Fuß- und Radwegenetze, die Zugänge zum Bahnhof und das gesamte Bahnhofsumfeld. Darüber hinaus steht der Umweltbahnhof für eine wieder stärker auf den Bahnhof ausgerichtete Siedlungsentwicklung, ein für Dannenwalde wahrscheinlich erst mal kein so vorrangiger Aspekt.
Die innere Verknüpfung bezieht sich mehr auf den Bahnhof selbst, z.B. die Bedingungen des Ein- und Aussteigens, die Aufenthaltsqualität, mögliche Beratungs- und andere Angebote im Bahnhof, die gesamte Bahnhofsgestaltung und darüber hinaus auch die möglichst ökologisch verträgliche Umgestaltung. Es geht um die Bedürfnisse der Bahnbenutzer im Bahnhof und dabei um die Benutzerfreundlichkeit, die Sicherheit und auch den Komfort für alle Benutzergruppen. Für Dannenwalde sei hier beispielhaft erwähnt, die notwendige Erschließung der zweiten Bahnhofsseite, aber auch die Problematik des Ein- und Aussteigens aller mobilitätsbehinderten Menschen, mit Kinderwagen, Fahrrad, Gepäck oder Rollstuhl.
Beide Ebenen zusammen, die innere und die äußere Verknüpfung, sollen den Umweltbahnhof zu einer Schnittstelle mit seiner Umwelt machen. Wir würden zu diesem wissenschaftlichen Definitionsversuch eine dritte Ebene hinzufügen:
3. Die Verknüpfung in unser aller Köpfe.
D.h. der Bahnhof muß auch wieder stärker eine der Schnittstellen unseres alltäglichen Handelns werden. Er muß einerseits ein positives Reisegefühl in uns verursachen, andererseits aber zu einem Routineanlaufpunkt täglicher Wege werden. Der Weg zum Bahnhof ersetzt den oft voreiligen Griff zum Autoschlüssel. Die anschließende streßfreie Fahrt wird als Belohnung empfunden.Die übergreifenden Zielsetzungen des Umweltbahnhofes
lassen sich in folgenden vier Punkten zusammenfassen:
- Erstens geht es ganz allgemein um die Verbesserung des Ansehens der Bahn, ein neues Selbstbewusstsein und um das Werben neuer Kundenschichten. Die Dannenwalde-Koalition ist da auf dem richtigen Wege, auch z.B. mit der Herausstellung der Tatsache, dass man mit der Bahn von Berlin aus schneller im Wald ist als mit dem Auto.
- Zweitens muss der Bahnhof zu einem Schnittpunkt der verschiedenen Verkehrsmittel werden. Auch für Dannenwalde trifft es zu, dass die Bahnfahrt alleine zwar schon ein Teil der Erholung sein kann; es muss dann aber eine Verknüpfung z.B. mit einer Fuß-, Rad- oder Bootswanderung folgen, die wiederum mit der Bahnrückfahrt zu verknüpfen ist.
- Drittens ist die trennende Wirkung von Bahnanlagen zu überwinden. In Dannenwalde kann der Umweltbahnhof im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Brücke zwischen der Siedlung und dem Erholungsgebiet werden.
- Viertens aber kann selbst in Dannenwalde der Umweltbahnhof eine Keimzelle sein für die Aufwertung der derzeitigen Brachlandschaft um ihn herum.
© Ingo Seubert / UBD e.V. Gibt es für einen Umweltbahnhof Dannenwalde praktische Vorbilder?
Unser Blick muss schon weit schweifen, vom östlichsten bis zum westlichsten Bundesland. Was den meisten wahrscheinlich nicht so gegenwärtig ist: Rheinland-Pfalz ist abgesehen von seiner Koblenz-Ludwigshafen-Achse ein überwiegend ländlich strukturiertes Flächenland. Insgesamt hat das Land zwar eine etwa doppelt so hohe Bevölkerungsdichte (Brandenburg ca. 90, Rheinland-Pfalz ca. 190 Ew/km²), es geht aber auch dort vorwiegend um die Anbindung von dünn besiedelten Regionen und auch um Gebiete mit touristischer Bedeutung. Insofern sind die dortigen Bemühungen durchaus für Brandenburg von Interesse. Der "Rheinland-Pfalz-Takt" mit seiner flächendeckenden Einführung des integralen Taktfahrplanes und dem dazugehörenden abschnittsweisen Streckenausbau, der Wiedereröffnung von Bahnhöfen und Strecken und das Modellvorhaben "Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz" werden dort von der Bahn AG und vom Land unterstützt und, was ja nicht unbedeutend ist, auch weitgehend finanziert. Dabei ist Rheinland-Pfalz keineswegs das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, es ist mit seinen wirtschaftlichen Steigerungsraten das Schlusslicht der Altbundesländer. Aber, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Die Kernaussagen des Modellprojektes "Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz" lauten: "Die Bahn zielt mit Unterstützung des Landes auf eine Trendwende zugunsten umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Das Modellprojekt setzt die begonnene Aufwertung des Bahnreisens fort. Die Bahnhöfe als Schnittstelle sollen zu vorzeigbaren Visitenkarten des öffentlichen Verkehrs und der Städte werden. Der `Umweltbahnhof` soll sich als Ort und Zeichen einer umweltverträglichen Mobilität auszeichnen."
Es läßt sich zusammenfassen, dass es für den Begriff "Umweltbahnhof" noch keine eindeutige und für alle geltende Definition gibt. Es gibt ein paar Grundüberlegungen, eine ganze Reihe von möglichen Anforderungen und Ideen und Visionen. Das heißt:
© Ingo Seubert / UBD e.V. Der Umweltbahnhof muss vor Ort mit Leben gefüllt werden.
Der kleinste Umweltbahnhof Deutschlands hat schon jetzt einige neue Aspekte in die Umweltbahnhof-Diskussion eingebracht. Dabei geht es keineswegs um große wissenschaftlich abgesicherte Rahmenbedingungen, sondern es geht in der Hauptsache um ganz kleine und auch profane Dinge.
- Warum zum Beispiel nicht ein Öko-Klo auf einem Bahnhof, der ja nicht Ausgangspunkt für den Opernbesuch ist, sondern mit seiner umliegenden Natur wirbt?
- Warum nicht einen Regenschirm-Dienst anstatt eines überdachten Bahnsteigs?
- Warum nicht wieder Blumen in den Schalen, so wie sie vor wenigen Jahren noch vom Bahnhofspersonal gepflegt wurden?
- Warum nicht Blumenkästen an die Fenster und den Bahnhofsvorplatz als angenehmen Dorfplatz gestalten?
- Wenn die Bahnhofsstube nicht durchgängig zu öffnen ist, warum nicht die Informationen nach außen bringen?
- etc.
Merkpunkte des dörflichen Lebens in Brandenburg sind die kleinen kräftigen Kirchen, die geheimnisvollen Friedhöfe, die versteckten und oft vermosten Dorfteiche, die alten Gutshäuser, die durchaus romantischen Dorfstraßenausblicke und nicht zuletzt die oft künstlerisch gestalteten kleinen Bahnhöfe. Keiner dieser charakteristischen Punkte darf verrotten.
Jeder zusammengefallene Bahnhof ist eine Schande für Brandenburg.
Deshalb kann der Freundeskreis rund um den Umweltbahnhof durchaus schon jetzt ein wenig stolz darauf sein, dass es im Gegensatz zu vielen anderen geschlossenen Bahnhöfen diesen Haltepunkt der Bahn gibt, dass das Gebäude im Gegensatz zu den vielen anderen kleinen Bahnhöfen positiv genutzt wird. Der Weg ist das Ziel, und auch wenn niemand so recht weiß, was denn nun ein Umweltbahnhof ist; in Dannenwalde ist man auf dem richtigen Weg.
Quellen:
Dies ist eine aktualisierte Fassung des Artikels:
Herzog-Schlagk,Bernd: Was ist ein Umweltbahnhof? in InformationsDienst-Verkehr IDV, Heft 53, 18. Jahrgang, April 1997. Zu beziehen im Abonnement heute unter dem Titel: mobilogisch! Zeitschrift für Ökologie, Politik und Bewegung. Bei: FUSS e.V. + UMKEHR e.V.(Hg.), Exerzierstr. 20, 13357 Berlin.
Weitere Informationen zum Thema "Umweltbahnhof" finden Sie in:
MEDIASTADT und Öko-Institut: Planungshandbuch Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz, Mainz, Darmstadt, Freiburg 1995, im Auftrag Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz und Deutsche Bahn AG. Noch immer das Standardwerk zum Thema. Zu beziehen: Ministerium für Wirtschaft und Verkehr, Bahnhofstraße 4, 55116 Mainz.
Christ, Wolfgang: Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz, SONDERDRUCK aus baumeister 9/95. Für die erste Kontaktaufnahme mit dem Thema geeignet, für Praktiker bietet es zu wenig Informationen. Zu beziehen: MEDIASTADT, Bauhausstraße 2, 99423 Weimar.
Loose, Willi und Christ, Wolfgang: Umweltbahnhof - Stadtentwicklung mit der Bahn, in Handbuch der kommunalen Verkehrsplanung, 12.Ergänzungs-Lieferung, 12/95, Pkt. 3.3.9.2., eine sehr brauchbare Zusammenfassung des Planungshandbuches.
Was ist ein Umweltbahnhof?
Ein Bahnhof, an dem Züge halten und Menschen aus- und einsteigen, ist grundsätzlich ein Beitrag für den Umweltschutz. In Dannenwalde ist das besonders augenfällig und gut darstellbar, weil ein paar Meter weiter die oft verstopfte Bundesstraße B 96 entlangführt. Der Begriff "Umweltbahnhof" ist keine kuriose Idee, sondern ein bundesweit verwendeter Arbeitstitel für einen Bahnhof, der im Sinne des Umweltschutzes mehr ist als ein Halt und an dem weitere Ansprüche gestellt werden. Die Kriterien dafür wurden im Rahmen des Projektes „Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz“ erstmals formuliert. Am Bahnhof Dannenwalde (Gransee) werden sie noch nicht alle erfüllt, sind aber weiterhin Ziele des Vereins Umweltbahnhof Dannenwalde UBD e.V.:
Zum anderen geht es um die innere Verknüpfung. Gemeint sind damit die Bedingungen des Ein- und Aussteigens, die Aufenthaltsqualität und mögliche Beratungsangebote. Auch hier hat sich einiges getan. Beide Bahnsteige wurden in angemessener Breite neu gebaut, der Einstieg ist auf beiden Seiten ohne Absatz und damit barrierefrei möglich, es wurden Unterstellmöglichkeiten eingerichtet und es gibt Aushänge, digitale Anzeigen und Durchsagen. Der Verein Umweltbahnhof Dannenwalde UBD e.V. hat am Ausgang eine ausführliche Informationstafel über das direkte Bahnhofsumfeld aufgestellt. Es gibt allerdings nach wie vor keine Fahrscheinautomaten und damit verbunden mitunter Unsicherheiten der Fahrgäste.
Nähere Informationen über den Begriff „Umwelt-Bahnhof“ wurden bereits in einem Vortrag bei der Gründungsversammlung des Vereins Umweltbahnhof Dannenwalde UBD e.V. vorgetragen. Unter Ist nicht jeder Bahnhof ein Umweltbahnhof? finden Sie auch Quellenangaben zu diesem Thema.
Laufpark-Strecken mit sauberer Luft!
Der 2005 eröffnete Laufpark Stechlin bietet im Norden Brandenburgs mehr als 500 Kilometer bestens ausgeschilderte Laufstrecken. Sie sind geeignet für das Laufen, Walken, Nordic-Walking etc. und auf Strecken mit weichen Böden bedingt auch für das Wandern. Auf andere Strecken mit entsprechend härteren Böden finden hier auch Rollis, Skater, Montainbiker etc. gute Trainigsbedingungen. Der Laufpark ist derzeit in 16 Waben als Rundkurse eingeteilt und innerhalb der Waben befinden sich bis zu sieben Einzelstrecken ebenfalls als Rundkurse.
Von den mehr als 70 Einzelstrecken tangieren immerhin sechs die Gemeinde
Dannenwalde. Die Wabe grün/Strecken 1 und 2 starten am „Herrenhaus“ in Dannenwalde, die Strecke 1 ist identisch mit dem Wanderweg „Rund um den Kleinen Wentowsee“ und die Strecke 2 führt über Gramzow und Buchholz zurück zum Wanderweg nördlich vom Kleinen Wentowsee.
Auf der östlichen Seite befindet sich die Wabe violett/Strecken 2 und 4, die Strecke 4 umrundet den Großen Wentowsee und die Strecke 2 verläuft über Boltenhof, Barsdorf, Neutornow und führt dann in Ringsleben auf den Wanderweg nördlich des Großen Wentowsees.
Einen Link zur interaktiven Karte finden Sie unter https://www.laufparkstechlin.de.
Der Laufpark wird betreut vom Verein Stechlin e.V. (www.laufpark-stechlin.de). Leider ist das Konzept derzeit noch sehr stark auf die Auto-An- und Abreise fokussiert. Wer die Strecken mit dem Start „Herrenhaus“ Dannenwalde wählen möchte, findet unter Anreise Bahn die Verbindung zum Bahnhof Gransee. Der gewünschte Startpunkt liegt dann etwa 14 Kilometer Fußweg nördlich, wogegen sich der Bahnhof Dannenwalde (Gransee) nur wenige Schritte westlich befindet.
Auf der Internetplattform wird der Bahnhof Dannenwalde (Gransee) überhaupt nicht als Anreise-Bahnhof erwähnt, obwohl er auf der Karte eingetragen ist. Der Laufpark Stechlin ist so kleinteilig angelegt, dass eine nachhaltige Erreichbarkeit der Startpunkte der Strecken nur recht selten möglich ist. Deshalb wäre es angemessen, wenigstens alle Bahn-Erreichbarkeiten herauszustellen.
Kriterien für Wanderbahnhöfe in Brandenburg:
Die folgenden Kriterien wurden zwar für das Weitwanderwegenetz im Land Brandenburg erarbeitet, aber modellhaft mit Verantwortlichen und Interessierten in der nördlichen Region intensiver abgestimmt:
- Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollte für eine Tageswanderung nicht länger als 2 Stunden, bei einer Zweitagewanderung nicht länger als 4 Stunden dauern.
- Eine Vertaktung der Abfahrzeiten ist nicht nur im Berufsverkehr, sondern auch im Freizeitverkehr wichtig: Ein 2-Stunden-Takt kann in Verbindung mit einem attraktiven Haltestellenumfeld (Gaststätte / Spiel- und Liegewiese) noch als akzeptabel angesehen werden.
- Am günstigsten ist es, wenn für die Rückfahrt ein dichterer Takt angeboten wird, da man im Gegensatz zur Anreise das Ende einer Wanderung zeitlich nicht so genau vorhersagen kann.
- Für Tages- und z.B. Wochenend-Wanderungen liegt für viele Städter die günstigste Abfahrzeit zwischen 8 und 11 Uhr, für Nachmittagswanderungen etwa bei 13 Uhr.
- Nach der Rückfahrt sollte die Ankunft im Ausgangsbahnhof für Familien mit kleinen Kindern oder im Winter nicht deutlich später als 18 Uhr, im Sommer für erwachsene Wanderer zumindest bis etwa 21 Uhr möglich sein. Allerdings ist es für Wanderer sehr attraktiv, wenn sie im Anschluss an eine Wanderung einkehren und z.B. zu Abend essen können, ehe sie die Heimfahrt antreten.
- Ein Wanderweg für Tagesausflüge sollte von der Haustür aus mit maximal zwei gesicherten Umsteigevorgängen, vom Ortsbahnhof aus mit maximal einem Umsteigevorgang erreichbar sein.Von diesen sechs Kriterien wird am Bahnhof Dannenwalde lediglich die Empfehlung nicht eingehalten, dass für die Rückfahrt eine dichtere Zugfolge als die von 2 Stunden angeboten werden sollte. Der Verein Umweltbahnhof Dannenwalde UBD e.V. setzt sich auch deshalb für einen Ein-Stunden-Takt auch an diesem Bahnhof ein.
Verwendete Quellen:
FUSS e.V. (Hrsg.): Empfehlungen für Wanderwege im Flach- und Mittelland", Berlin 2001
FUSS e.V. (Hrsg.): Ein Ausgeh - Modell. Verknüpfung des Weitwanderwegnetzes mit dem Netz des öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV im Großraum Brandenburg - Berlin, gefördert durch das Umweltbundesamt UBA und das Bundesumweltministerium BMU, Berlin 2003
© Umweltbahnhof Dannenwalde UBD e.V. Stand: April 2021